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22.02.2010, 19:44 Uhr | Übersicht | Drucken
Kommentar: Julia Klöckner beweist, dass sie "CDU kann"
von Chefredakteur der Rheinzeitung: Christian Lindner


Die CDU Rheinland-Pfalz beschwört einen Neuanfang - mal wieder. Es ist der sechste nach 1998. Wilhelm, Langen, Gerster, Böhr, Baldauf: Sie alle verkörperten anfangs einen Neustart, dann aber nur einen weiteren Fehlstart der CDU zwischen Adenau und Zweibrücken. Nun setzt der Landesverband, der seit 1988 mehr für Zwietracht als für Union stand, erstmals auf eine Frau, die zudem jünger als alle bisherigen Hoffnungsträger ist: Julia Klöckner soll und wird 2011 gegen Kurt Beck antreten.


Die von Klöckner geprägten Regionalforen in Bingen und Mendig schenken der CDU Rheinland-Pfalz spürbar Zuversicht, sich diesmal nicht erneut in trügerischer Hoffnung zu wiegen. Die junge Abgeordnete von der Nahe hat offenbar genügend Energie, Mut und Visionen, die in Teilen dahindämmernde, alles andere als charismatische und lange eher mit sich selbst als mit der regierenden SPD beschäftigte Landespartei zu modernisieren, wieder zu einen und aus ihrer Lethargie zu reißen.

Die ihrem Denk-, Kommunikations- und Auftrittsstil entsprechenden Foren waren die modernsten Parteiveranstaltungen, die die CDU Rheinland-Pfalz je erlebt hat. Bingen wie Mendig waren für CDU-Verhältnisse erstaunlicher Swing - und die oft so lendenlahm erscheinende Partei beginnt, sich nach diesen für sie neuen Rhythmen zu bewegen.

Die reifende Kandidatin hat offenbar das Zeug, den schwierigen Landesverband mit all seinen Leidensgeschichten ("Gott schütze Rheinland-Pfalz"), regionalen Polen und vielen Solisten zu neuer Einheit zu formieren. Mit ihren Vorstellungen beweist Klöckner, dass sie "CDU kann". Wertorientiert, gläubig, für Freiheit statt Gleichmacherei, gegen Staatsfetischismus, einen aufgeklärten Konservatismus verkörpernd, den für Rheinland-Pfalz typischen ländlichen Raum verstehend, kommunikativ, dabei glaubwürdig die Basis jenseits klassischer Funktionärskanäle ansprechend und einbindend: Die 37-Jährige scheint ebenso entschlossen wie befähigt, die CDU Rheinland-Pfalz mittels ihrer Botschaften und Gaben in die überfällige Moderne zu katapultieren. Und sie ist klug genug, ihre Kraft fürs Erste vor allem in die Revitalisierung ihrer Partei und deren Milieus zu lenken, statt sich von der SPD schon jetzt in einen 13-monatigen Dauerwahlkampf zerren zu lassen. Die Gereiztheit, mit der die SPD auf Klöckner reagiert, zeigt, dass die Genossen die neue Beck-Kontrahentin viel ernster als zuvor CDU-Landeschef Baldauf nehmen.

Das hat einen ganz einfachen Grund: Rheinland-Pfalz wird zwar seit 1991 von der SPD regiert. Im Grunde aber ist das Land nach wie vor potenzielles CDU-Terrain: Bei allen Bundestagswahlen seit 1949 bis auf 1998, bei allen Kommunalwahlen seit 1948 abgesehen von 1989 sowie bei allen Europawahlen seit 1979 außer 1989 lag die CDU in Rheinland-Pfalz vor der SPD. Nur eben bei den Landtagswahlen seit 1991 nicht. Auch die SPD weiß: Wenn Julia Klöckner es schafft, die CDU zu erwecken und hinter sich zu formieren, werden die Landtagswahlen 2011 deshalb deutlich spannender als die ungleichen Duelle Beck gegen Böhr.


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