Doppelte Julia-Show begeistert die CDU Mit einer Charme-Offensive im Doppelpack hat Julia Klöckner ihren Nominierungswahlkampf für die CDU-Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2011 gestartet.
Anders als beim US-Vorbild steht sie als Siegerin schon fest. Denn mit ihr wittert jetzt die CDU die Chance, nach 20 Jahren den Machtwechsel im Land zu schaffen.
Die Landes-CDU erlebt ihren sechsten Aufbruch seit 1988, aber auch den mit modernsten und vor allem weiblichsten Akzenten, mit denen die künftige Spitzenkandidatin Julia Klöckner auch kokettiert. Die neue Frontfrau (37), die neben Helfern der Jungen Union zu den Jüngsten in der vollen Mendiger Laacher-See-Halle gehört, hat die altbackene CDU-Bühne gegen eine Julia-Show ausgewechselt: Swing-Musik, Einblicke ins private Fotoalbum und eingespielte Filme, in denen ausgewählte Bürger erklären, dass sie auf die Politik der Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärin Klöckner nur warten.
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Im Saal ist für die Bad Kreuznacherin vor allem Dialog angesagt, um sich an der Basis menschelnd bekannt und deutlich zu machen, dass sie "Männern die Flötentöne beibringen kann", wie der als Moderator agierende Unternehmensberater Vinzenz Baldus meint.
Bei konkreten Zielen bleibt Klöckner neben Seitenhieben gegen die SPD ("20 Jahre sind genug") und Kurt Becks "ruinierte Staatsfinanzen" charmant an der Oberfläche. Ihre Erklärung: Die CDU lässt sich nicht von der SPD diktieren, wann sie ihr Programm schreibt - natürlich "von unten nach oben" wie die Nominierung.
Klöckner ist es wichtig zu betonen, dass sie in der Kirche aktiv ist. Als aber diffuse Angst vor Überfremdung anklingt, stellt sie auch klar: "Ich leide als Christin nicht unter Muslimen." Ihr Fundament erklärt sie mit der christlichen Soziallehre. Dabei dürfte die FDP freuen, dass sie mehr Freiheit, weniger Staat und Gleichmacherei will. Und wer, so Klöckner, nur über die Hartz-IV-Höhe redet, "gibt die Menschen auf", statt sie in Jobs zu bringen.
Das kommt an. Ein Mayener sagt: "Wir haben schon viele Hoffnungsträger beklatscht, sind aber gescheitert, weil wir uns uneinig waren." Damit ist Schluss, versichern Klöckner und Parteichef Christian Baldauf. Damit "riecht es für die CDU nach Wechsel" - auch beim Auftakt der Regionalforen zuvor in Bingen - mit gefühligen Momenten inklusive.
"Mich haben Sie ganz am Herzen abgeholt", dankt eine Frau unter den rund 700 Zuhörern. Einige wollen aber genauer wissen, was von einer "Landesmutti" Klöckner zu erwarten wäre. "Die CDU Rheinland-Pfalz hat noch nie Studiengebühren gefordert, und wir werden auch keine fordern." Der Satz ist in seiner Eindeutigkeit eine Ausnahme. Tagesmütter will sie stärker fördern, steht aber voll hinter dem Kindergarten-Ausbau à la Bundesfamilienministerin. Auch als Brückenbauerin versteht sie sich, "nicht nur über den Rhein". Dies sei aber noch kein Votum zur Mittelrheinbrücke.
Wer Klöckners dominante Ausstrahlung und Regie beobachtet, kann sich schwer vorstellen, dass sie nicht auch die erste Parteichefin wird. Aber das Thema ist vor ihrer Nominierung als Spitzenkandidatin im April für Strippen- zieher noch tabu. |