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20.02.2010, 21:06 Uhr | AZ Mainz/Markus Lachmann Übersicht | Drucken
Wir zählen auf sie ....
Designierte CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner stellt sich Parteibasis vor

Kräftiger Applaus, als die Kandidatin um kurz nach 18.30 Uhr den Saal in Bingen betritt. Obligatorisches Bad von Julia Klöckner in der Menge. Rund 650 Neugierige mögen in das Kongress Zentrum nach Bingen gekommen sein, die Reihen sind gefüllt, einige Gäste müssen stehen. Ganz nach Vorbild der „Townhall-Meetings“, den Bürgerversammlungen Barack Obamas im US-Wahlkampf, ist der Saal gehalten – mit einer Bühne, die sich mitten im Publikum befindet. „Wir zählen auf Sie“, steht mehrdeutig auf großen, blauen Wänden.


Julia Klöckner bei der Regionalkonferenz. Foto: Edgar Daudistel
 
Es ist das erste von fünf Regionalforen, auf denen sich Klöckner dem Parteivolk und den Bürgern stellt. „Das ist bewusst kein Parteitag“, eröffnet Moderator Tobias Bieker, und schwärmt: „Man merkt diese Aufbruchstimmung im Land – es kribbelt.“ Auftritt von Julia Klöckner im roten Blazer, in schwarzer Hose und schwarzer Bluse, rhythmisches Klatschen im Saal. Die 37-Jährige wirkt anfänglich leicht nervös. Kinderfotos aus Guldentaler Tagen werden auf einer großen Leinwand gezeigt, „an den Beinen erkennt man mich“, grinst die designierte Kandidatin. Die Staatssekretärin berichtet aus ihrer Zeit auf dem Weingut, über das Theologie- und Politikstudium in Mainz. Dann der Journalismus, aber: „Der Wein hat mich nie ganz losgelassen.“ Bilder von 1995, Klöckner als Weinkönigin. „Da habe ich viel gelernt – nah bei den Leuten“, so die 37-Jährige. Julia mit Querflöte, für das Hobby bleibe aber wenig Zeit. Der Moderator: „Es reicht auf jeden Fall, um Beck die Flötentöne beizubringen.“ Es menschelt kräftig.

"Fundament: Christliche Soziallehre und christliches Menschenbild"

Nach der lockeren Runde gibt es dann doch noch die offizielle Rede. Die Fast-Kandidatin bittet um Vertrauen, 13 Monate vor der Landtagswahl. In ihrem Wahlkreis habe man es zweimal geschafft, eine rote Hochburg zu stürmen. „Warum soll uns das nicht auch in Rheinland-Pfalz gelingen?“ Anderen gehe es „um Posten und Macht“, ihr gehe es „um neue Inhalte und um einen neuen Politikstil“. Eines der Fundamente sei die christliche Soziallehre, das christliche Menschenbild.“ Klöckner spricht über ihr Verständnis von sozialer Gerechtigkeit und Solidarität. Wenn Menschen sich nicht mehr selbst helfen könnten, dann sei der Staat, die Gemeinschaft gefragt. Soziale Gerechtigkeit indes habe „nichts mit der Höhe von Hartz IV zu tun.“

Einer ihrer Leitgedanken: „Politik, die über den Tag hinaus geht“, sie stehe für eine solide Haushaltspolitik in Rheinland-Pfalz. „Das Land lebt über seine Verhältnisse“, ruft die Rednerin in den Saal. Ende 2010 werde Rheinland-Pfalz mit 33 Milliarden Euro verschuldet sein. „Das ist ein Sturzflug, und Kurt Beck sitzt im Cockpit.“ 20 Jahre SPD-Regierung seien definitiv genug.

"Arroganz der Macht

Und natürlich, der Nürburgring. „Da wird Geld in die Schweiz überwiesen, da wird getrickst, getarnt, getäuscht“. Der Nürburgring sei kein Einzelfall, sondern habe etwas mit der „der Arroganz der Macht“ zu tun. 500.000 Euro für Boris Becker, plus 20 Prozent Provision, „ohne dass mit der Wimper gezuckt wird“. Das könne man als privater Unternehmer machen, aber nicht als Landesregierung, „weil man dann kein Geld für Lehrer und Erzieher hat“. Großer Applaus. Die CDU-Kandidatin fordert einen „mehrjährigen verbindlichen Zeitplan zur schrittweisen Abbau der Neuverschuldung“. Gleichwohl werde „Bildung das Top-Thema bleiben“. Klöckner fordert Ehrlichkeit in der Schulstatistik. Sie will Brücken bauen (nicht nur am Rhein), plädiert für eine neue Gesprächskultur, „nicht nur über den Bürger hinweg“. Wichtig sei das Vertrauen der Bürger in die Politik, noch wichtiger: „Das Vertrauen der Politik in die Bürger.“

Es geht an diesem Abend ums Zuhören, das ist der Bad Kreuznacherin wichtig. Und deshalb schließt sich an ihre Rede eine Diskussionsrunde mit dem Publikum an. Noch vier weitere Auftritte hat Klöckner in Rheinland-Pfalz, im April soll sie zur Spitzenkandidatin der CDU gekürt werden. Kritik kommt am Freitag vom rheinland-pfälzischen SPD-Parteiratschef Roger Lewentz: Der bemängelt mangelnde Inhalte bei den Auftritten der designierten Kandidatin, nach dem Motto: „Nix Politik – it’s only show-time, es ist alles nur Show.“


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